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15.01.2018, 23:59 von Lokalrunde

Entertainment The Cranberries: Dolores O'Riordan ist tot

The Cranberries: Dolores O'Riordan ist tot

Dolores O'Riordan, Sängerin der Band „The Cranberries“, ist tot. Wie ihre Sprecherin Lindsey Holmes mitteilte, starb sie im Alter von 46 Jahren unerwartet bei Aufnahmen in London. Die Todesursache wurde nicht bekanntgegeben.

Der Band gelang in den 1990er Jahren der internationale Durchbruch. Der wohl bekannteste Song ist „Zombie“. Michael D. Higgins, Präsident Irlands, bedauert den Tod der Sängerin. Die Band hätte einen großen Einfluss auf Rock und Pop in Irland und international gehabt, erklärte er.

O'Riordan hinterlässt aus ihrer geschiedenen Ehe mit Don Burton drei Kinder.

Bild: Dolore O'Riordan, The Cranberries live in Barcelona 2010-03-13 (Alterna2 http://www.alterna2.com, CC BY 2.0, via Wikipedia)
Quelle: zeit.de

15.01.2018, 08:10 von Tarnkappe.info

Tarnkappe OpenStreetMap im Interview (Repost)

OpenStreetMap im Interview (Repost)

OpenStreetMap (OSM) – Die ganze Welt mit einfachsten Mitteln kartografieren und das Material allen Menschen kostenlos zur Verfügung stellen? Nachdem das Projekt anfangs belächelt wurde, benutzen seit ein paar Jahren sogar Navigations-Apps wie skobbler (iPhone/Android) das frische Kartenmaterial der ehrenamtlichen Mapper. Außerdem wurde OSM mittlerweile auf einer Vielzahl von Webseiten eingebaut. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass man die Daten auch für CAD-, 3D-Programme oder andere Projekte benutzen kann.

OpenStreetMap (OSM) ist ein freies Projekt, bei dem Freiwillige ohne jeden kommerziellen Hintergrund frei nutzbare Geodaten sammeln. Mithilfe dieser Daten können Weltkarten gerendert oder Spezialkarten erstellt werden. Die Datenbank kann völlig flexibel eingesetzt werden, so sind viele andere Projekte wie die Mateka´te oder OSM3D, die dreidimensionale Variante, möglich. Wir haben uns darüber eingehend mit Frederik Ramm unterhalten. Er hat gemeinsam mit Jochen Topf mehrere Auflagen ihres Buches “OpenStreetMap – Die freie Weltkarte nutzen und mitgestalten” veröffentlicht.

Lars Sobiraj: Hallo Frederik! Wie bist du zu OSM gekommen, was genau tust du dort und was reizt dich persönlich daran?

Frederik Ramm: Mein Name ist Frederik Ramm, ich bin 38 Jahre alt und studierter Wirtschaftsingenieur – damit also in der Kartografie genauso ein Laie wie so ziemlich alle anderen bei OpenStreetMap auch. Mein Einstieg bei OpenStreetMap war insofern etwas ungewöhnlich, als dass ich gar nicht als “Mapper” anfing (also als Datensammler), sondern als Programmierer; ein Freund hatte das Mappen angefangen und fluchte ab und zu über den OSM-Editor, ich sagte “das kann man doch leicht verbessern“, und schon hatte ich die Arbeit. Später war ich eine ganze Zeit lang der Hauptentwickler dieses Editors, und mit dem Mappen habe ich natürlich auch irgendwann angefangen. Ich fand Landkarten jeder Art schon immer spannend, und dass ich mit diesen Daten jetzt selber herumhantieren kann, macht mir Freude. Ich bin auch täglich aufs Neue begeistert von dem Engagement der vielen Mapper überall auf der Welt.

Lars Sobiraj: Open StreetMap hat viel zu tun mit Sport (Fahrradfahren), einem gemeinschaftlichem Erleben, Wettbewerb und Technik. Was aber ist das Geheimrezept dahinter, wieso funktioniert das bei uns in Deutschland und der Welt so gut?

Frederik Ramm: Ich glaube, da gibt es überall ganz unterschiedliche Gründe, warum das geht oder auch nicht so gut geht. Es gibt Gegenden, da entsteht durch OpenStreetMap das erste Mal überhaupt eine brauchbare aktuelle Karte für Jedermann. In den reichen westlichen Ländern haben wir in der Regel zwar brauchbares Kartenmaterial, aber wenn man das auf die Nutzergruppen runterbricht, ist oft auch Fehlanzeige – das meiste ist halt für Autofahrer gemacht. Ein Geheimrezept gibt es vermutlich nicht – es ist nur am Anfang schwer. Solang du noch keine brauchbaren Daten hast, fragen die meisten natürlich: Was soll ich da mitmachen, das wird doch nie was. Und so kommst du auch nicht zu brauchbaren Daten. Der Projektgründer Steve Coast, ist praktisch jahrelang von einer Konferenz zur nächsten getingelt und hat allen erzählt, wie toll OpenStreetMap ist, und irgendwann haben es die Leute dann halt auch geglaubt, und dann ging die Erfolgsgeschichte los.

https://player.vimeo.com/video/56374742

OpenStreetMap: A Year of Edits 2012 from Derick Rethans.

Das haben wir ein kleines bisschen auch der Wikipedia zu verdanken. Wenn einem die Leute ins Gesicht sagten, dass das doch nie was wird, konnte man immer die Geschichte von der Wikipedia erzählen, und die hatten die meisten dann schon irgendwo gehört, und das ließ sie nachdenklich werden.

OpenStreetMap läuft aber nicht überall auf der Welt gleich gut. Wir haben zum Beispiel in den USA sehr viele Daten, weil wir einen amtlichen Datenbestand importieren konnten, aber die Community entwickelt sich dort nur langsam.

Lars Sobiraj: Vielleicht magst du allen Nichtkennern kurz erklären, wie ihr die Straßen kartografiert.

Frederik Ramm: Die Standardmethode ist: GPS einschalten, sodass es jede Sekunde die Position abspeichert, dann herumfahren oder – laufen und dabei Notizen machen – zu Straßennamen, Art der Straße, Points of Interest (also so etwas wie Briefkästen) und allem anderen. Später am Rechner lädt man dann den GPS-Track und die existierenden OSM-Daten der Gegend und zeichnet die neu gewonnenen Informationen ein.

In der Presse wird es oft vereinfachend so dargestellt, als bräuchte man einfach nur sein GPS einzuschalten und könne die Daten nachher zu OpenStreetMap hochladen und “so entsteht dann die Weltkarte”. Das ist natürlich Humbug, denn das GPS weiß ja nicht, wie eine Straße heißt. Ohne Handarbeit geht es also nicht.

Lars Sobiraj: Wie viel Prozent der Fläche Deutschlands habt ihr denn so schon erfassen können? Und wie schaut es in anderen Ländern Europas aus? Wie viele Mapper gibt es eigentlich?

Frederik Ramm: Das sind ziemlich schwierige Fragen. Ich könnte jetzt angeben und sagen: Wir haben 250.000 angemeldete Benutzer. Stimmt auch. Aber davon haben nur 120.000 jemals was gemappt, und wenn man schaut, wie viele davon wirklich regelmäßig was machen, dann sind es vielleicht nur 20.000 weltweit. Und die Flächenfragen kann ich auch nicht beantworten – denn wann ist eine Fläche denn “erfasst”? Wenn eine Autobahn durchgeht, oder wenn auch die Telefonzelle neben der Toilette in der Kleingartenkolonie im Autobahndreieck gemappt ist?

OpenStreetMap ist niemals fertig, es gibt immer noch was Neues zu tun. In den deutschen Städten haben wir jetzt eigentlich schon seit Langem fast alle Straßen, aber Hausnummern fehlen uns noch sehr viele. Bei kleinen Orten auf dem Lande kann es schon mal sein, dass wir nur die Durchgangsstraße haben. Neulich war ich in Bad Waldsee, einer Kleinstadt im Schwäbischen mit immerhin 20.000 Einwohnern, und musste mit Schrecken feststellen, dass das erst halb gemappt war. Ich habe mir gleich ein GPS geschnappt und bin los, aber es fehlt auch heute noch einiges.

Die meisten anderen Länder Europas liegen etwas hinter Deutschland, holen aber kräftig auf.

Lars Sobiraj: Die kommerzielle Konkurrenz hat anfangs verächtlich, später besorgt auf euch reagiert. Wie klappt es denn mittlerweile? Gibt es Pläne für eine Zusammenarbeit? Kommt eines Tages vielleicht sogar ein tomtom oder ein anderes Navi mit euren Daten heraus Aktuellere Daten als eure dürfte es ja kaum geben.

Frederik Ramm: Es gibt ja für das iPhone und mittlerweile Android schon eine kommerzielle Navi-Lösung mit OSM-Daten, nämlich skobbler. Die (und ihre Kunden) scheinen ganz gut damit zu fahren. Was die Gerätehersteller betrifft, bleibt abzuwarten – Google einige der Hersteller ja schon zu “lebenslange kostenlose Kartenupdates”-Angeboten genötigt, das heißt, diese Hersteller verdienen auch an Kartenupdates nichts mehr und hätten keinen Schaden, wenn sie ihre Plattformen für OpenStreetMap-Daten öffneten. Aber vielen ist auch der ganze Open Source-/Open Data-Gedanke fremd, die sind so zementiert in ihrer Kultur von geistigem Eigentum und der Maximierung seines wirtschaftlichen Nutzens, dass es ihnen schwerfällt, sich Geschäftsmodelle vorzustellen, die nicht auf irgendeiner Art von “Kopierschutz” beruhen.

Lars Sobiraj: Google dürfte ja auch Interesse an eurem Material haben. Wurde da schon bei euch angeklopft?

Frederik Ramm: Google braucht nicht bei uns anzuklopfen, die können unsere Daten genauso nehmen wie jeder andere auch, wenn sie sich an die Lizenzbedingungen halten.

Lars Sobiraj: Die Datenbank für die ganzen Geodaten ist ja völlig flexibel. So kann man diese auch für ganz andere Dinge benutzen, wie zum Beispiel die Matekarte oder OSM 3D. Was ist sonst noch in der Planung?

Frederik Ramm: OSM ist nicht zentral gesteuert, die nächste Spezialkarte entsteht sicherlich gerade irgendwo auf der Welt im Kopf eines Geeks, der Mate trinkt …

Lars Sobiraj: Projektgründer Steve Coast gründete CloudMade. Sind aus dem Projekt weitere Firmen entstanden? Wie konntest du deine Arbeit bei OSM für dein Berufsleben benutzen?

Frederik Ramm: Mir sind außer Cloudmade und meiner Firma, der Geofabrik, keine bekannt, die sich fast ausschließlich mit OSM beschäftigen, aber es gibt eine Anzahl von Freelancern, die über ihre OSM-Aktivitäten mittlerweile auch in der Lage sind, im OSM-Bereich Dienstleistungen anzubieten. Die Geofabrik verkauft Datendienste (zum Beispiel WMS- und Tile-Server mit OSM-Daten) und Know-How (wir helfen Leuten beim Einsatz von OSM oder der Installation eigener Server). Wir sind da ganz offen – das Erste, was ich einem Kunden am Telefon sage, ist meistens, dass er sich alles, was er von mir bekommt, auch kostenlos bei OSM herunterladen kann – ich verkaufe ihm nur eine Zeitersparnis.

Lars Sobiraj: Wie geht es mit OpenStreetMap weiter, was ist für die nächste Zeit geplant?

Frederik Ramm: Geplant ist zentral gar nichts, wie schon gesagt; das Einzige, wo ein paar Leute ein bisschen planen, ist, welche Hardware wir brauchen, um der wachsenden Last gerecht zu werden.

Wie es weitergeht – es wird bestimmt mehr Nischenanwendungen geben, also Spezialkarten etwa für verschiedene Sportarten oder Geschmäcker, Spezial-Routing, Kartenvorlesesysteme, Stromnetzkarten und so weiter. Hie und da zeichnen sich aber auch Auseinandersetzungen in der Community ab, und manchmal liegt der Hauch einer (böses Wort) Relevanzdiskussion in der Luft. Ich erwarte auch 2010 oder 2011 irgendeine Art von Google MapMaker für Deutschland, also einen Vorstoß von Google in “unser” Terrain, sodass Nutzer an den Google-Karten herumverbessern können – es bleibt auf jeden Fall spannend.

Lars Sobiraj: Dann euch weiterhin viel Erfolg mit OSM und vielen Dank für deine ausführlichen Antworten!! Wer jetzt selber Lust auf’s Mappen bekommen hat:

Hier findet man den aktuellen Terminkalender inklusive aller Stammtische und anderer Events in aller Welt!

Autor: Lars "Ghandy" Sobiraj
Quelle

14.01.2018, 19:10 von Tarnkappe.info

Tarnkappe Chelsea Manning: Wikileaks-Informantin will für US-Senat kandidieren

Chelsea Manning: Wikileaks-Informantin will für US-Senat kandidieren

Die Whistleblowerin Chelsea Manning will als Kandidatin der Demokraten im US-Bundesstaat Maryland für den US-Senat zu den Wahlen im November antreten. Mannings Kandidatur wurde am Donnerstag (11.01.2018) bei der Federal Election Commission eingereicht. In einer, im Juni 2018 stattfinden Vorwahl, müsste sie gegen den demokratischen Senator Ben Cardin antreten, der das Amt seit 2007 innehat und als Favorit gilt, berichtet The Washington Post.

Nur ein paar Monate nach ihrer Begnadigung und darauf folgenden Freilassung im Mai 2017, bewirbt sich Chelsea Manning als demokratische Senatorin. Sie registrierte sich am 5. Januar bei der US-Wahlkommission, ihren Antrag zur Kandidatur reichte sie am Donnerstag in North Bethesda in Maryland ein. Manning selbst äußerte sich nicht dazu. Ihre Chancen werden allerdings nur als gering eingestuft. Ihr Gegner, der etablierte 74-jährige Demokrat Ben Cardin, ist bereits seit 2007 im Amt und würde über ein Wahlkampfbudget in Höhe von zwei Millionen US-Dollar verfügen und zudem auf eine Zustimmungsrate von 50 Prozent zählen können, wie Baltimore Sun berichtet.

Als WikiLeaks-Informantin hatte Chelsea Manning mehr als 700.000 geheime Dokumente und Aufnahmen mit Bezug zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan von Militärrechnern heruntergeladen und 2010 der Enthüllungsplattform zugespielt. Sie war damals als Obergefreiter Bradley Manning in der Nähe von Bagdad stationiert. Im Mai 2010 war Manning unter dem Verdacht verhaftet worden, Videos und Dokumente, die amerikanische Militärmissbräuche im Irak und in Afghanistan aufdeckten, an WikiLeaks weitergereicht zu haben. Im August 2013 wurde sie durch ein US-Kriegsgericht zu 35 Jahren Haft verurteilt. Ex-Präsident Barack Obama begnadigte Manning jedoch zum Ende seiner Präsidentschaft. So kam sie im Mai 2017 nach sieben Jahren Freiheitsstrafe aus dem Militärgefängnis Fort Leavenworth in Kansas vorzeitig frei. Während der Gefangenschaft nahm sie eine Geschlechtsumwandlung vor und nannte sich fortan Chelsea Elizabeth. Donald Trump jedoch bezeichnete Manning als “Verräterin”, die das Gefängnis “niemals” hätte verlassen dürfen. Manning zog nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis nach Maryland. Seit 2015 schreibt sie für den Guardian zu Themen wie Transparenz, freie Meinungsäußerung, Bürgerrechte, Transgender-Rechte und Computersicherheit.

Todd Eberly, Professor für Politikwissenschaft am St. Mary’s College in Maryland, meint, dass Donald Trumps unerwarteter Aufstieg zum Präsidenten die Tür für politische Neulinge wie Manning öffnete: “Mein ursprünglicher Gedanke war buchstäblich: Donald Trump ist Präsident, Oprah Winfrey ist die führende Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten im Wahljahr 2020, warum zur Hölle nicht Chelsea Manning im US-Senat?”.

Bildquelle: Wokandapix, thx! (CC0 Public Domain)

Autor: Antonia
Quelle

14.01.2018, 12:10 von Tarnkappe.info

Tarnkappe RetroShare-Interview: Fileharing & Kommunikation undercover (Repost)

RetroShare-Interview: Fileharing & Kommunikation undercover (Repost)

RetroShare ist ein plattformübergreifendes Open-Source-Programm zwecks P2P-Filesharing und andere Formen der Kommunikation. Wenn die direkten Kontakte vertrauenswürdig sind, kann man mit nur geringer Abmahngefahr Dateien austauschen. Das letzte Update (v0.6.3) erschien im August 2017. Von Versionsnummer 1.00 ist man also noch immer weit entfernt.

Ich habe das Interview mit drBob ursprünglich im Februar 2012 durchgeführt. Er ist einer der Erfinder und Entwickler dieses Programms. Der Schwerpunkt des Clients liegt aber nicht alleine beim Thema Filesharing, sondern vielmehr auf der Wahrung der Privatsphäre der Teilnehmer. Ziel ist es, unzensierte Nachrichten und Forenpostings auszutauschen, ohne dass Dritte die Identität der Teilnehmer erahnen können. Natürlich wird auch Wert darauf gelegt, dass es kein Unternehmen gibt, das über jeden einzelnen Schritt Bescheid weiß, den sie im Internet unternehmen.

Lars Sobiraj: Magst Du dich unseren Lesern einmal vorstellen?

drBob: Hallo liebe Leser. Ich bin DrBob, der ursprüngliche Schöpfer von RetroShare. RetroShare ist eine Art Soziales Netzwerk, welches einem im Internet die Freiheit und Privatsphäre zurück gibt. Es erlaubt dir, alles mit deinen Freunden zu teilen und zu schreiben, was du willst. Wir sind ein über ganz Europa verstreutes Entwickler-Team aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien, das RetroShare in seiner Freizeit entwickelt.

Lars Sobiraj: Kannst Du uns bitte zunächst die Funktionsweise des Programms erklären?

drBob: RetroShare ist eine Applikation, die zum privaten Austausch gedacht ist. Es erstellt ein dezentralisiertes Netzwerk mit euren Freunden. Ihr könnt das Programm kostenlos von hier herunterladen und installieren.

Man tauscht im Normalfall per E-Mail die „Zertifikate“ aus, die euch untereinander identifizieren. Wenn ihr eure Freunde geadded habt, verbindet euch Retroshare direkt über das Internet. Befindet man sich im Netzwerk, kann man:

  • privat mit seinen Freunden chatten
  • Chat-Räume betreten, wo man Gruppengespräche (ähnlich wie im IRC) mit vielen Personen führen kann
  • das Netzwerk nach angebotenen Dateien durchsuchen
  • etwas von Freunden oder dem größeren Netzwerk anonym herunterladen
  • in ein Forum schreiben, wo man hervorragend diskutieren oder Links austauschen kann
  • Kanäle erstellen, wo man Dateien mit den Freunden oder dem ganzen Netzwerk austauschen kann.


Lars Sobiraj: Warum habt ihr das Programm überhaupt so genannt?

drBob: Als meine Freunde die erste Version sahen, sagten sie: „Oh, es sieht so altmodisch (retro) aus.“ Das Programm bezieht sich auf die guten alten Tage, als noch jedermann alles direkt ausgetauscht hat. Also lange, bevor BitTorrent, Twitter oder der „Iike“-Button alles öffentlich machte.

Lars Sobiraj: Wie viele Personen arbeiten an dem Projekt? Was ist ihre Aufgabe, was ist ihr Job im echten Leben?

drBob: Im Kernteam befinden sich fünf Entwickler, die alle in ihrer Freizeit mitwirken, um den Client zu verbessern. Daneben gibt es noch einige andere Personen, die uns mit Patches, Grafikdesign und Übersetzungen helfen. Unsere Community hat uns sehr dabei geholfen, die Funktionalität auszuprobieren, Fehler zu melden und uns neue Features vorzuschlagen. Ich arbeite meistens am Backend, erstelle den Code für das Netzwerk. Mein richtiger Job ist das Entwerfen von Windturbinen.

Chris: Ich arbeite am Backend und bin Software-Entwickler.

Thunder: Meine Aufgabe ist die Entwicklung der grafischen Benutzeroberfläche und Verbesserungen unter Windows. Ich bin auch Software-Entwickler.

Defnax: GUI- und Windows-Entwicklung. Ich arbeite als Assistent der technischen Geschäftsführung.

Cyril: Dateitransfers und dezentralisierte Chat-Protokolle. Ich forsche im Bereich Computergrafik.

Lars Sobiraj: Was war eure Intention, diesen Client zu erstellen?

drBob: Wir möchten das best mögliche private Netzwerk erstellen. Damit die Leute miteinander chatten können, Links und Dateien austauschen können, anonym in Foren schreiben, Aktivitäten gemeinsam planen, Dokumente ändern können und so weiter. Also eigentlich alles, was man in den bestehenden sozialen Netzwerken tun kann – aber mit Wahrung der Privatsphäre. Alles was wir im Internet tun, wird von Marketingfirmen und sozialen Netzwerken ausgewertet. So muss es nicht sein. Man sollte in der Lage sein, sich wirklich privat auszutauschen. Und dieses Programm zeigt, dass es möglich ist.

Lars Sobiraj: Was ist euer Schwerpunkt: Die Kommunikation untereinander oder der Dateiaustausch?

drBob: Die Privatsphäre steht bei uns ganz klar im Mittelpunkt, ein zuverlässiges Netzwerk mit Freunden aufzubauen. Es ist dieses Netzwerk, welches euch erlaubt, sowohl uneingeschränkt zu kommunizieren als auch Daten auszutauschen. Wir finden, Kommunikation sollte auch ohne Facebook oder Gmail möglich sein, die im Einzelnen über alles Bescheid wissen was wir tun. Ein nicht überwachter und wirklich freier Austausch ist uns am wichtigsten.

Lars Sobiraj: Wie entwickelt sich eure Community? Wächst die Zahl der Unterstützer?

drBob: Die Community von Retroshare wächst kontinuierlich an. Wir hatten unseren besten Monat im Februar 2012, wo über 10.000 Transfers durchgeführt wurden. Momentan sind es zwischen 500 und 1000 Personen, die gleichzeitig online sind. Das ist aber nur eine Schätzung. Wir wissen nicht, wie viele Personen im „Darknet“-Modus unterwegs sind.

Wir haben Chaträume in Version 0.5.3 eingebaut. Das hat das Gemeinschaftsgefühl ungemein gestärkt, weil man so die Freunde seiner Freunde kennenlernen kann. Es war auch teilweise nützlich für die Entwickler. Wir erfahren von den Anwendern direkt neue Fehler und können allen die Anwendung des Programms erläutern.

Lars Sobiraj: Wie wollt ihr dafür garantieren, dass RetroShare nicht wie Anomos endet? Anfangs begann Anomos zum anonymen Filesharing sehr aussichtsreich, wenig später wurde es auf Eis gelegt (wo es übrigens bis heute liegt).

drBob: Wir arbeiten jetzt schon viele Jahre daran und fühlen uns dem Projekt verpflichtet. Auch gibt es eine wachsende Anzahl von Anwendern und eine aktive Gemeinschaft. Das ermuntert uns und hilft unserer Arbeit ungemein.

Lars Sobiraj: Ihr seid scheinbar noch weit weg von Version 1.0. Was fehlt euch denn noch auf dem Weg dorthin? Wann kann man mit der ersten offiziellen Version rechnen?

drBob: Das ist nichts weiter als eine Versionsnummer, die ständig hochgezählt wird.

V0.1 war rein textbasiert mit Standard-SSL-Zerifikaten und wurde nie veröffentlicht
V0.2 fusste auf FLTK (Fast Light ToolKit) mitt XPGP-Zertifikaten
V0.3 war die erste Version mit Qt (Bibliothek)
V0.4 fügte dem Programm verbesserte Protokolle hinzu
V0.5 führte GPG-Identitäten ein
V0.6 wird eine verbesserte Privatsphäre und neue Funktionen von sozialen Netzwerken einführen.
In den nächsten 3-6 Monaten planen wir den Abschluss von V0.6.0. Diese Version wird dem Client hinzufügen:

  • VoIP (nach einigen Versprechungen haben wir jetzt endlich etwas Code geliefert bekommen!)
  • Gruppen (mit diesen kann man kontrollieren, mit wem man Transfers durchführt)
  • Wiki-Seiten
  • der Austausch von Bildern
  • ein Service ähnlich wie Twitter
  • ein Plug-in-System, welches es Entwicklern erlauben wird ihre eigenen Programmteile einzubinden.

V1.0 kommt, sobald RetroShare fertig ist. Aber lasst euch davon bitte nicht abhalten, den Client zu benutzen. Unsere Software wurde ausführlich getestet und wird schon von Tausenden Menschen eingesetzt.

Lars Sobiraj: Was könnte für Einsteiger eine Hürde darstellen?

drBob: Der schwierigste Teil dürfte sein, die ersten privaten Kontakte aufzubauen. Manche Leute laden sich die Software herunter und geben dann nach kurzer Zeit auf. Ohne eure Freunde ist Retroshare nichts wert. Nehmt euch ein wenig Zeit, euch gut zu vernetzen, bevor ihr aufgebt. Wir empfehlen euch, eine Gruppe von fünf bis zehn Personen zu suchen, die die Nutzung lohnenswert macht.

Wir haben unsere Arbeiten an einem „Bekanntmachungs-Server“ abgeschlossen, wo Anwendern ermöglicht wird, sich auszutauschen und mit anderen Anwendern unverzüglich zu chatten. Wir können beim Aufsetzen eines virtual private servers (VPS) behilflich sein, was es einfacher macht, mit seinen Freunden und der Familie verbunden zu sein.

Lars Sobiraj: In Deutschland werden monatlich etwa 10.000 Abmahnungen an die Anschlussinhaber von IP-Adressen verschickt. Viele Peer-to-Peer Clients werden noch immer weiterentwickelt. Warum sind es so wenige Programme, wenn es ums anonyme Filesharing geht?

drBob: Möglicherweise weil es schwierig ist, ein Filesharing-Netzwerk aufzubauen. Ein anonymes Netzwerk umso mehr. In den letzten fünf Jahren fand ein Wechsel von den P2P-Netzwerken hin zu Streaming- oder Filehosting-Anbietern statt. Von daher besteht wenig Interesse an der Entwicklung von Filesharing-Netzwerken. Und da heutzutage jeder Web-Entwickler wird, gibt es immer weniger Menschen, die ein solches Netzwerk aufbauen könnten.

Lars Sobiraj: Im Gegensatz zu Freenet oder I2P ist man als Anwender nicht gänzlich frei von Gefahr von einem der Rechtsanwälte der Content-Industrie erwischt zu werden. Warum sind die Transfers mit den Kontakten ersten Grades unsicher? Würden die Transfers langsamer vonstatten gehen, wäre gänzlich alles verschlüsselt?

drBob: Fast jedes Netzwerk ist anfällig für bösartige Nachbarn. Sie wissen, wonach du suchst und welche Daten übertragen werden. Bei Freenet oder I2P sind es die zufällig ausgewählten Nodes, die anfällig sind. Bei Retroshare sind es die vertrauenswürdigen Freunde, die dich nicht verraten werden. Von daher stellen wir mehr Sicherheit bereit als andere Netzwerke. Das macht uns zu einem gesicherten Netzwerk. Jeder Transfer läuft über diese sicheren Zahnräder. Das macht es für Dritte schwer bei uns einzudringen und sehr herausfordernd, das alles zu überwachen.

In den meisten Fällen wird ein anonymes Filesharing-Protokoll angewendet. Dieses wurde erstellt, damit selbst deine direkten Kontakte nicht mit letzter Gewissheit wissen können, ob ihr der Empfänger seid oder die Daten lediglich weiterleitet. Der direkte Austausch findet nur bei den Dateien statt, die für eure Freunde einsehbar sind. Somit wissen sie, dass du die Datei schon vorrätig hast. Alle Daten werden bereits per SSL verschlüsselt. Es gibt keinen Grund, eine extra Verschlüsselungsschicht darüber zu legen.

Lars Sobiraj: Für den Moment wurde ACTA in Deutschland und anderen europäischen Staaten abgewiegelt. Wie wird sich das Urheberrecht verändern? In Neuseeland wurde Megaupload von Mitarbeitern des US-amerikanischen FBI hochgenommen. In Deutschland passierte ähnliches mit der Streaming-Webseite Kino.to. Wird es schon bald normal sein, dass die Anbieter von urheberrechtlich geschützten Dateien durchsucht, ihre Hardware und ihre Domain beschlagnahmt wird?

drBob: Die Rechteinhaber werden alle juristischen Maßnahmen in Anspruch nehmen, die man ihnen zugesteht. Die Regierungen kümmern sich nur darum, wenn jedermann aufsteht damit ihre Stimme auch Gehör findet. Die gemeinsamen Aktionen gegen SOPA waren fast das erste Mal, dass man im Internet wirklich gemeinsam gegen etwas protestiert hat. Wir sind froh, dass manche Länder der EU die Gefahren von ACTA erkannt haben. Wir müssen versuchen, durch noch mehr Informationen für mehr Bewusstsein zu sorgen.

Retroshare ist eine technische Möglichkeit, dieses Problem zu beheben. Wenn wir leistungsfähige zensurresistente private Netzwerke aufbauen können, dann werden uns derartige Regelungen nicht mehr in dem Maß betreffen.

Lars Sobiraj: Die P2P-Comunity TvTorrentz.org hat sich aufgelöst und sind jetzt bei euch voll integriert. Wie hat sich das Datenaufkommen dadurch verändert? Wie viele aktive User habt ihr denn täglich?

drBob: Wir haben einen starken Anstieg an Downloads festgestellt. Der genaue Grund dafür ist uns aber nicht bekannt. Ganz offensichtlich hat es mit dem medienwirksamen Auftritt von ACATA, SOPA und dem Bust von Megaupload zu tun. Wir waren mit den Leuten von TvTorrentz.org nicht in Kontakt. Wir hoffen aber, dass sie Spaß bei der Nutzung unseres Programms haben. Es sind momentan zwischen 500 und 1000 Personen gleichzeitig aktiv. Genauere Zahlen kann ich nicht angeben, weil unser Netzwerk privat und dezentralisiert aufgebaut wurde.

Lars Sobiraj: Gab es je Kontaktversuche mit The Pirate Bay oder anderen populären Webseiten, um mit diesen zu kooperieren?

drBob: Wir sind in Kontakt mit anderen Gruppen, die sich auf den Schutz der Privatsphäre im Netz spezialisiert haben. So etwa beispielsweise Social Swarm und FreedomBox. Es gab keinen Kontakt mit The Pirate Bay oder anderen BitTorrent-Portalen.

Lars Sobiraj: Seid ihr jemals von Anwaltskanzleien von Musiklabels, der RIAA oder anderen Rechteinhabern kontaktiert worden?

drBob: Nein. Wir speichern keine Links zu urheberrechtlich geschütztem Material. Wir ermuntern auch niemandem zum illegalen Filesharing. Was wir anbieten, ist ein absolut privater Dateiaustausch. Wir haben keine Kontrolle oder Wissen darüber, was unsere Anwender tun. Und genauso soll es ja auch sein.

Lars Sobiraj: Danke an alle Teilnehmer für das Interview!

Die Software ist hier kostenlos für Debian, Mac OS X, Windows XP, Vista, 7 & 10, Ubuntu, ROSA Linux, Mageia, Gentoo, Slackware, CentOS, Fedoa, OpenSuse, Arch Linux, FreeBSD und viele andere Betriebssysteme erhältlich.

P.S.: Im November 2012 wurden Einstweilige Verfügungen gegen Nutzer von RetroShare erlassen, weil man ihnen Filesharing urheberrechtlich geschützter Werke vorwirft. Bis heute wurde nicht endgültig geklärt, wie die Rechteinhaber bzw. deren IT-Dienstleister an die IP-Adressen gelangt sind. Möglicherweise waren die direkten Kontakte der Betroffenen weniger vertrauenswürdig, als ursprünglich gedacht.

Autor: Lars "Ghandy" Sobiraj
Quelle

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